Julio Lambing

Heidnische, naturreligiöse und esoterische Traditionen

Podiumsdiskussionen und Interviews  --- Texte --- Vorträge und Workshops  ---  Projekte

Hintergrund

Wir leben in einer durch und durch christlich geprägten Zivilisation. Sie hat fundamental unseren ontologischen Bezugsrahmen, unsere Deutungsmuster hinsichtlich Mensch, Natur, Gesellschaft und Geschichte und unsere Rationalitätskonzepte geformt. Dies gilt sogar für jene antireligiösen Milieus in unserer Gesellschaft, die sich selbst als wissenschaftlich, materialistisch, agnostisch, atheistisch oder aufklärerisch bezeichnen. Und es gilt ebenso für die modernen esoterischen und okkulten Strömungen im Westen, die sich selbst als kirchenfern betrachten.

Das Christentum hat uns viele wertvolle kulturelle und soziale Hinterlassenschaften vermacht. Die moderne Wissenschaft verdankt dem mittelalterlichen Christentum den Aufbau fundamentaler Institutionen und die Entwicklung einer wissenschaftlichen Haltung, die dem akademischen Betrieb ebenso wie der systematischen Erforschung der Natur entscheidende Impulse gaben. Das politische Ideal der Brüderlichkeit gab der politischen Bekämpfung von Ausbeutung eine moralische Grundlage und steht am Anfang unserer sozialstaatlichen Institutionen. Die Tugend der Barmherzigkeit ermöglichte die Etablierung eines Lebensnetzes, das systematisch den Schwächsten unserer Gesellschaft half, ohne dass sie sich den Mühlen einer bürokratischen Verwaltung aussetzen mussten. Es gäbe noch viel mehr aufzuführen.

Unsere Kultur erbte aber vom Christentum ebenso ein aggressives Wahrheitskonzept, das weltanschaulich motivierte Gewalt und Kriege ermöglichte. Sie erbte eine komplexe Maschinerie zur Steuerung und Analyse des Seelenlebens der Menschen. Sie erbte eine Lichtmythologie mit umfassenden Dominanzansprüchen gegenüber allem, was als dunkel, fremd, weiblich, naturhaft eingeordnet wird. Sie erbte eine Sichtweise auf unsere Um- und Mitwelt, die uns anhielt, nur Menschen - vielleicht noch hier und da ein paar sogenannte höhere Säugetierarten  - als Personen zu betrachten, deren Wünsche wir ernstnehmen müssen. Und durch die Transformation des Christentums in den Rationalismus und schließlich die Aufklärung -  die beide nicht Antipoden, sondern Fortsetzung des Christentums mit anderen Mitteln sind -  erhielten wir ein metaphysisches Entwicklungskonzept, das alle menschlichen Lebensaspekte und Hervorbringungen unter dem Kriterium des "Fortschritts" einordnet und bewertet. Wir zahlen dafür einen hohen Preis: Verdummung und kulturelle Vereinsamung. Denn die in diesen Entwicklungskonzept eingebaute ethnozentrische Arroganz macht das Lernen von fremden und vergangenen Kulturen unmöglich und die Unterjochung und Zerstörung dieser Kulturen vernünftig.

Doch wir leben nicht nur in einer christlich geprägten Welt. Entgegen einer populären Geschichtsschreibung sind vor- und außerchristliche Kulturen, also sogenannte polytheistische, animistische und naturreligiöse Traditionen, weder ausgestorben noch irrelevant für die westliche Industriegesellschaft. Und um die Sache noch komplexer zu machen: Nicht nur das Christentum, sondern auch und gerade okkulte und esoterische Konzepte spielten bei der Entwicklung der modernen Wissenschaft und der Idee der instrumentellen Steuerung der Natur eine wichtige Rolle. Aufklärung und Okkultismus haben mehr miteinander zu tun als es die offizielle Selbstcharakterisierung unserer Kultur weißmachen will. Das, was wir die moderne materialistische, mechanistische, aufgeklärte oder rationalistische Kultur nennen, ist durch okkulte Traditionen geprägt: hinsichtlich seiner Ursprungsimpulse; hinsichtlich seiner engagierten Propagierung und Durchsetzung durch okkulte Gruppen am Vorabend der Moderne; hinsichtlich seiner fundamentalen Ontologie. Ein Umstand, den die allermeisten der heutigen Fürsprecher dieser Kultur in der Regel ignorieren oder verdrängen. Die sogenannte "Aufklärung" selbst ist ein Konzept, das alle sozialen und kulturellen Charakteristika eines tiefverankerten Mythos enthält - inklusive der sozialen und emotionalen Effekte, wenn ein solcher Mythos kritisiert wird. Wir verkennen sowohl die produktiven wir destruktiven Potentiale unserer Gesellschaft, wenn wir naiv das heute propagierte Konzept von Rationalität für vernünftig und für bare Münze nehmen.

Seit vielen Jahren gibt es in meinem sozialen Umfeld eine Vielzahl vom Menschen, die Weltanschauungen leben und Praktiken ausüben, die von außen als spirituell, esoterisch, neuheidnisch, polytheistisch oder okkult deklariert werden. Auch meine eigene Geschichte ist davon geprägt: Als Kind und Jugendlicher wurde ich schon früh sowohl mit christlicher und jüdischer Theologie als auch mit der antiken griechischen Philosophie sowie mit der griechischen und germanischen Heroenwelt vertraut gemacht. Als junger Mann kam ich dann mit sogenannten "schamanischen" Traditionen aus dem nordamerikanischen Kontinent in Kontakt und lernte weitere außer- und vorchristliche Traditionen (sowie westliche okkulte Praktiken) kennen. Ich habe viel von ihnen gelernt und musste meine Vorstellungen von Ethos, Vernünftigkeit und Wissenschaftlichkeit deutlich verfeinern und erweitern. Das Unwissen und die Ignoranz in Deutschland gegenüber solchen Traditionen ist erschreckend. Selbstverständlich tun sich alle Kulturen schwer mit fremden Lebensweisen und Kulturen. Es ist  ganz natürlich, ersteinmal eigene Konzepte und Ansichten zur Beschreibung und Beurteilung fremder Kulturen anzuwenden. Traditionen und Institutionen fremder Völker sind geronnenes soziales Erfahrungswissen von menschlichen Gemeinschaften, die in ganz anderen Lebensumgebungen und auf dem Hintergrund einer ganz eigenen Geschichte sich bemühen, ein gutes Leben zu erzeugen. Die sozialen und kulturellen Erfindungen dieser Menschen nachzuvollziehen ist schwierig, weil es verlangt, die menschliche und nichtmenschliche Welt mit anderen Augen zu sehen, ungewohnte Unterscheidungen zu machen, neue Handlungsweisen auszuprobieren. Verstehen fremder Kulturen heißt also immer Lernen. Es ist ein anstrengendes und mühsames Lernen.

Aufgrund ihrer militärischen, technologischen und wirtschaftlichen Überlegenheit neigen Angehörige der europäischen und nordamerikanischen Gesellschaften dazu, dieses Lernen von andersartigen Kulturen für überflüssig zu halten. Sie ignorieren fremde Kategorien und stülpen den Verhaltensweisen und Ansichten anderer Völker ihre eigenen Begriffe über. Zwei Verfahren - ein historisches und ein diachrones - sind dabei üblich: Zum einen werden femde Kulturen als glückliche oder unglückliche Vorstufen der eigenen Zivilisation begriffen: Die Araber müssen dann die Aufklärung noch "nachholen", die Aborigines lebten vor der englischen Invasion in der "Steinzeit". Diese Einordnung auf einer zivilisatorischen Entwicklungsstufe ist jahrhundertealt und entsprang ursprünglich dem Bedürfnis europäischer Gelehrte, Zustände und Veränderungen der eigenen Zivilisationsgeschichte besser zu verstehen und jeweilige Entwicklungsideale sowohl als gesellschaftlich unvermeidbar wie auch als politisch unumgänglich zu deklarieren. Das andere Verfahren löst Kategorisierungen, die zur Unterscheidung kultureller und sozialer Alltagszusammenhänge innerhalb unserer Zivilisation üblich sind, aus ihren Beurteilungszusammenhang und wendet sie zur pauschalen Charakterisierung ganzer Gesellschaften und Kulturen an. Duale Gegenüberstellungen von unterschiedlichen Lebensäusserungen innerhalb einer Kultur  - in dem Fall der europäischen - werden nun auf aufgespalten und ein Pol des Begriffpaars wird nun auf die Kultur oder Gesellschaft eines fremden Volkes als ganzes angewendet, damit diese als Gegenbild aufscheinen. So wird der Inder "spirituell", die Afrikanerin "abergläubig", die Indianerin so "geerdet" und die Japanerin "traditionsgeleitet" - im Gegensatz etwa zur "verstandfixierten" oder "vernunftgeleiteten" oder "materialistischen" oder "selbstbestimmten" Europäerin. (Solche Attributierungen sind sowohl in esoterischen, traditionell christlichen als auch sogenannten materialistischen Zusammenhängen üblich.) Was gelernt werden soll und wer lernen soll, ist bei solchen Urteilen bereits im Vorhinein klar und hängt lediglich davon ab, ob man die eigene Kultur kritisieren oder loben will.  Sowohl wenn andere Völker nur Vorstufen unserer Zivilisation sind, als auch wenn sie zum Gegenstand unserer pauschaler Projektionen werden, ist ein Austausch und ein wirkliches Lernen von ihnen nicht mehr möglich. Es findet dann lediglich eine kulturelle Selbstbespiegelung und die Bestätigung eigener Kategorien statt.

Nicht nur bei fremden, aussereuropäischen Kulturen gibt es diese Form von Ignoranz. Sie ist auch bezüglich jener Kulturen üblich, die hier in Europa vor der durchgängigen Verbreitung des Christentums oder vor der Moderne existierten: Das Mittelalter ist "dunkel", die Germanin "primitiv", aber "naturverbunden", die griechische Polytheistin noch in einem "vorwissenschaftlichen Weltbild" gefangen. An der Spitze der kulturellen Evolution steht stattdessen der moderne europäische Materialist, und ebenso - allerdings mit mit Abstrichen - der aufgeklärte Christ. (Das männliche Geschlecht ist hier kein Zufall: Der Mann galt als vernünftiger und weniger anfällig für Aberglaube und gefühlsbedingte Beinträchtigung der Urteilskraft.) Wenn Menschen - nun schon seit vier Jahrhunderten - heidnische Traditionen pflegen oder wieder aufleben lassen wollen, ist das ein gefährlicher irrationaler Rückschritt. Neuheiden, wie man jene Menschen nennen kann, die sich auch um eine rituelle und weltanschauliche Aneignung solcher Traditionen bemühen, gelten als entsprechend problematisch. Die Barbarei droht: Waren nicht die Nazis alles Neuheiden? Und ist nicht auch die seit einigen Jahrzehnten zu beobachtende Verbreitung von Praktiken, wie sie in der Neuen Spiritualität und Esoterik kultiviert werden, ein Anzeichen neuer Irrationalität und moralischer Verirrung? (Dass Frauen in solchen wie auch in anderen "religiösen" Milieus, in denen man an das "Übernatürliche" glaubt, bis heute überrepräsentiert sind, ist dann wahlweise die bedauerliche Konsequenz einer hormonellen Beeinträchtigung oder einer missglückten Sozialisation.)

Wir müssen uns sicherlich mit elitären, xenophoben, rassistischen und völkischen Varianten der neuheidnischen Geistesströmungen auseinandersetzen, die im Zuge der Romantik aufkamen und bis heute zur Legitimation für faschistischen und neofaschistischen Terror in westlichen Industrieländer herangezogen werden. Wir müssen diese auch entschieden bekämpfen. Zudem sollten wir immer wieder kritisch fragen, welchen Einfluß jeweilige wissenschaftliche und weltanschauliche Moden auf unsere Deutung und Wiederaneignung fremder Traditionen ausüben. Aber  indigene, heidnische oder neuheidnische Traditionen sind nicht per se menschenfeindlicher, unreifer und irrationaler als christliche oder sogenannte aufgeklärte Geistesströmungen. Sie sind zudem weder Religionen noch eine andere Form von "Glauben". Diese christlich geprägten Begriffe sind zur Beschreibung ihrer Hervorbringungen nutzlos. Sie handeln in der Regel nicht vom "Übernatürlichen" und sind auch nicht vormodern. Ihre Intuitionen und ihr Wissen, das sich in Weltanschauung, Ethos, Fertigkeiten, Ritualen, Sitten und Institutionen ausdrückt, gehören zum gemeinsamen Erbe der Menschheit. Sie können eine sinnvolle, rationale Bereicherung für das heutige Leben und für die moderne Gesellschaft sein.

Wie viele Menschen, die in den 90er Jahren erwachsen wurden, habe ich vielfältige Anschauungen, Praktiken und Selbsttechnologien aus der spirituellen Selbsterfahrungsszene und dem Esoterikmilieu kennengelernt, die als Lebenshilfen angepriesen wurden. Was bleibt sind ein paar Kniffe hier, ein bisschen Erfahrung da - und das Wissen, dass die beste Schule des Lebens das Leben selbst ist. Gut finde ich, dass in dieser Szene die Überzeugung kultiviert wurde, dass für ein gutes, zurfriedenstellendes Leben der Menschen nicht nur äussere wirtschaftliche und politische Strukturen wichtig sind, sondern auch der zwischenmenschliche Umgang untereinander und individuelle Verhaltensweisen im Alltag. Und ebenso schätze ich, dass in dieser Szene so manche wertvolle Praktik und Fertigkeit verbreitet und gepflegt wird, die unsere Kommunikation, Achtsamkeit und Wahrnehmung zu verbessern vermag. Doch zugleich gibt es nur wenige Zusammenhänge, in denen dermaßen gedankenlos Kommerzialisierung, Kommodifikation und Erfolgspropaganda hingenommen und gerechtfertigt wurde; in dieser Hinsicht besteht nur wenig Unterschied zu jenem menschlich verrohten Sumpf an Geschäftsleuten und Managern, die Gordon Gekkos Hymne der segensreichen Wirkungen von Gier zur Richtschnur ihres Handelns erheben. Die Kultivierung von Seelenbefragung und Selbstbearbeitung verbreitete zum einen neue Formen von Infantilität, Selbstentmachtung und politischer Ignoranz geschaffen. Esoterische Erkenntnisstufen und das moderne Guru- und Meisterwesen lehren wiederum einen Elitenfetischismus, der antidemokratische Attitüden mit Hörigkeit  und Leichtgläubigkeit paart. Wir haben uns da eine Generation an selbstzentrierten Egoisten und passiven Workshop-Junkies herangezogen, die ihre eigene Autorität, Urteilsfähigkeit und Gestaltungskraft abgegeben hat und sich zugleich als geistig-spirituelle Elite und Speerspitze der Menschheit selbstüberschätzt. Zugleich etablierten sich neue Formen der Selbstkonditionierung, die durchaus auch ein Potential zur totalitären Steuerung von Persönlichkeiten haben.

Trotz dieser Nachteile und Gefahren ist es dennoch naiv und dumm, sich lediglich über das moderne Esoterik- und Selbsterfahrungswesen lustig zu machen oder es pauschal als gesellschaftsschädlich zu brandmarken. Nicht nur sind solche kulturellen Unterströmungen mit unserer Zivilisation  intensiv verschränkt. Sie sind auch ein Weg, fremde Konzepte und Weltanschauungen kennenzulernen und von ihnen zu lernen. Wir sollten ihre  Produktivität bei der Etablierung besserer Lebensweisen nicht geringschätzen und sie ebenfalls nutzen, um uns selbst und unsere Lebensweise besser zu verstehen.

All das sind für mich Gründe, mich heute für die kritische Reflexion, Pflege und Weiterentwicklung heidnischer und neuheidnischer Traditionen einzusetzen. Und ebenso den Einfluss, den okkulte und esoterische Traditionen auf die Moderne haben, auszuwerten.  



Podiumsdiskussionen und Aufzeichnungen von Radio-Interviews

Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Józef Niewiadomski und Jörg Pegelow: "Führt Neuheidentum zu Rechtsextremismus?"
Podiumsdiskussion im Rahmen des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentags, veranstaltet durch die Arbeitsstelle Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, 2. Mai 2013
(Der röm.-kath. Fundamentaltheologe Józef Niewiadomski hielt einen längeren, nicht nur durch seine Dramatik unterhaltsamen Vortrag zu der Frage. Moderator und Veranstalter Jörg Pegelow, Beauftragter für Weltanschauungsfragen in Hamburg, interviewte mich danach auf dem Podium zum Neuheidentum, zu der Tätigkeit antirassistischer neuheidnischer Organisationen und den Thesen von Herrn Niewiadomski. Ich finde es ausgesprochen lobenswert, dass auf einer christlichen Veranstaltung Neuheidentum nicht nur Objekt des Diskurses war, sondern ein Vertreter einer neuheidnischen Interessenvertretung als Gesprächspartner eingeladen war. Weiß Gott keine Selbstverständlichkeit. Inhaltlich gab es von Herrn Niewiadomski nichts, was man nicht im Rahmen christlicher Apologie erwarten konnte - inklusive fast aller bekannten klischeehaften Zuschreibungen und Stereotypen. Entsprechend fiel meine Antwort aus.)

Wolfgang Meyer und Irene Geuer: "Zurück zu den Runen - Über ein Wiederaufleben vorchristlicher Religionen"
Radio-Feature im Rahmen von WDR 3 Lebenszeichen; ausgestrahlt auf WDR 3 am 30. März 2008
(Julio Lambing, Jens Scholz und Günther Biernoth wurden für ein Radiofeature der christlichen Sendung "Lebenszeichen" interviewt, das sich mit dem Wiederaufleben vorchristlicher Religionen beschäftigt. Bemerkenswert ist die vorurteilslose, fragende aber nicht unkritische Vorgehensweise der beiden Journalistinnen.)

Radiodiskussion mit Dr. Matthias Pöhlmann u. Prof. Dr. Bernhard Maier, moderiert von Holger Gohla: "Hexensabbat und Germanenkult - Was fasziniert an heidnischen Traditionen?"
Einstündige Diskussion; ausgestrahlt auf SWR 2 am 02. Mai 2007
(Eine nicht ganz fair eingeleitete Radio-Diskussion. Das lag nicht daran, dass die anderen Gesprächsteilnehmer ein christlicher Weltanschauungsbeauftragter und ein ebenso kritisch eingestellter Religionswissenschaftler waren. Den ersteren kannte ich bereits aus einer ganzen Reihe von persönlichen Gesprächen, mit dem zweiten verstand ich mich auf der gemeinsamen Zugrückfahrt ganz prächtig. Unangenehm war ein nicht abgesprochener Kunstgriff des Radiomoderators, der mich kurzfristig vor der Runde bat, an einer Stelle zu schwindeln. Einen persönlichen Bericht dazu gibt es hier.)



Texte

Unter anderem:

Julio Lambing: "Attilas unglückliche Liebe. Ein neu entdecktes Epos aus dem Sagenkreis der Nibelungen wirft Fragen über unsere Geschichte auf"
in: Eurasisches Magazin (Netzzeitschrift), Ausgabe 08-11 (02.08.2011)
(Buchbesprechung von: "Attil und Krimkilte. Das tschuwaschische Epos zum Sagenkreis der Nibelungen" - übersetzt und herausgegeben von Kai Ehlers - in Zusammenarbeit mit Mario Bauch und Christoph Sträßner)

Julio Lambing: "Der blutige Kuss der Göttin. Die Bedeutung einiger sexueller Rituale im Tantra und Neo-Tantra"
Artikel im Online-Magazin des Rabenclan - Verein zur Weitentwicklung heidnischer Traditionen, Juni 2011
(Ich kenne Neotantra seit vielen Jahren. ich wollte einmal die geschichtlichen Hintergründe einiger Traditionen des Tantra, die sexuelle und grenzüberschreitende Rituale einsetzen, jenen neotantrischen Strömungen gegenüber stellen, die sich in den westlichen Industrieländern verbreitet haben. Das mag für den einen oder die andere desillusionierend sein. Der Text ist aber weder ein Klagegesang über die vermeintliche Verweltlichung und Entspritualisierung des Tantra noch ein Abnicken des psychotherapeutischen, esoterischen oder vermeintlich matriachatstheoretischen Salbaders, das heute gerne verbreitet wird. Und ebensowenig wie ich das Tantra, wie es auf dem indischen Subkontinent entstanden ist und sich dann in Asien verbreitet hat, verherrlichen mag, schätze ich eine billige Verurteilung des Neotantras.)

Julio Lambing: "Sexualität und Ritual - Die Spielarten des Tantra"
Feigenblatt - Magazin für Erotisches, Ausgabe Nr. 24: "Tantra & Intimität"; S. 30 – 34; Frühjahr 2011
(Eine deutlich gekürzte, ungenauere, dafür aber wesentlich leichter lesbare Version des obigen Artikels.)

Julio Lambing: "Der Beitrag des Neuheidentums und Robert Heinleins zur Entstehung der polyamoren Bewegung"
Artikel im Rahmen des PolyWiki des Polyamoren Netzwerk (PAN) e.V.; Frühjahr 2011
(Zur Entstehungsgeschichte gerade der US-amerikanischen polyamoren Szene gehört unzweifelhaft auch das Neuheidentum. Das mag nicht in das Bild einiger Vertreterinnen der antireligiösen Linken, der Queer-Theorie oder des Feminismus passen, die wie alle Traditionen dazu neigen, andere Milieus und Traditionen als die ihrigen abzuwerten und aus der Historiographie heraus zu schreiben, anstatt sich solide, rational und ungetrübt von Ideologie mit diesen auseinanderzusetzen.)

Julio Lambing: "Antidemokratische Strömungen im naturreligiösen Umfeld - eine oberflächliche Einführung"
Artikel im Online-Magazin des Rabenclan - Verein zur Weitentwicklung heidnischer Traditionen, April 2003
(Der Text ist eine Einführung in das Thema. Dabei steht außer Frage, dass einer naturreligiöse oder neuheidnische Orientierung nicht per se Demokratiefeindlichkeit unterstellt werden darf. )

Es existieren von mir eine größere Anzahl weiterer Artikel zu Themen und Problemen rund um das Heidentum und Neuheidentum, zu Naturreligiösität, Animismus und Polytheismus. Sie sind fast alle unter Pseudonym geschrieben und an verschiedenen Orten erschienen. Ein erklecklicher Teil der Texte befasst sich mit der kritischen Analyse von antidemokratischen, völkischen, antisemitischen oder rechtsradikalen Ideologien, Gruppen oder Einzelakteuren in diesem Umfeld. Sie haben ihren Teil dazu beigetragen, solchen Umtrieben im neuheidnischen Milieu das Leben schwer zu machen. Weitere Texte dienten dazu, einem modernen und kritischen Verständnis heidnischer Traditionen den Weg zu bahnen oder einige traditionelle bzw. experimentelle Gedankenwege zu Motiven und Grundlagen neuheidnischer Traditionen auszuloten. Auch sie haben so manche Neuheidin verärgert. In beiden Fällen sehe ich keinen Bedarf die Pseudonyme aufzudecken.


Vorträge und Workshops

Unter anderem:

"Der blutige Kuss der Göttin. Einblicke in die Geschichte des Tantra und Neotantra."
Vortrag auf der Tagung "Berührungskunst zwischen Tradition und Trend", veranstaltet durch den Tantramassage-Verband (TMV); Köln, 1. Juni 2013
Mit einer gewissen Lust an Provokation und Ironie richtete sich der Vortrag an ein Publikum, das in weiten Teilen mit den NewAge-Klischees bezüglich Tantra nur allzu vertraut ist un d diesen auch gerne folgt. Anhand einer Theorie über die Geschichte des Tantra, die im angelsächsischen Raum eine gewisse Aufmerksamkeit erzeugte, und anhand verschiedener Beispiele aus unterschiedlichen Kulturen Südasiens versuchte ich zumindest Einblicke zu geben, auf welch unterschiedliche Weise man das Phänomen "Tantra" begreifen kann und wie weit doch viele historisch einflussreiche Tantra-Varianten von den gängigen New-Age-Klischees entfernt sind.

"Blut und Wasser - Alternative Vorstellungen von Familie und Verwandtschaft"
Mitdenk-Workshop auf dem "Zwölften überregionalen Treffen für polyamore Menschen", veranstaltet vom Polyamoren Netzwerk e.V. (PAN); Ferienpark Im Waldgrund / Truckenthal, 22. - 26. Mai 2013
Ausgehend von dem Sprichwort "Blut ist dicker als Wasser" beschäftigte sich der Workshop mit Vorschlägen für eine alternative Konzeption von Familie, Liebe, Partnerschaft. Dabei griff er zur Anregung zum einen auf das Konzept "pitṛ-ṛṇa" aus der alt-indischen Schrifttradition zurück - eine Art generationenübergreifende Verpflichtung. Zum anderen versuchte er auch das "hamingja"-Konzept aus der altnordischen Texttradition für ein Verständnis von Gemeinschaft und Familie fruchtbar zu machen.

"Sex als Magie, Macht und Mythos"
Dreitägiger Workshop zu sechs okkulten sexuellen Traditionen; in Kooperation mit dem Rabenclan - Verein zur Weiterentwicklung heidnischer Traditionen e.V. und der Kulturinitative "Der Dritte Ort"; Bildungs- und Freizeithof Vreden, 28. - 30. Dez. 2011
(Bachanalien - Antike, Kaula-Tantra - 9. Jahrhundert, Libertin-Religion der "Dilletanti Society" - 1750 , Entstehung der wissenschaftlichen Psychologie - 19. Jahrhundert, Kult der Großen Göttin und Wicca - 1950, Kerista Village und Church of all Worlds - 1980)

"Orgien und Fruchtbarkeitskulte"
Workshop auf dem "Zweiten überregionalen Treffen für polyamore Menschen", veranstaltet vom Polyamoren Netzwerk e.V. (PAN); Seminarhaus Taunus / Butzbach; 8. November 2008

"Der Mythos vom Übernatürlichem und anderen heidnischen Absonderlichkeiten"
Impulsreferat und Kolloquium, anläßlich von „Der Grundstein schöner Dinge“, ein Treffen des Rabenclan e.V., Rittergut Lützensömmern, 27. April bis 1. Mai 2007
(Es gibt eine Menge merkwürdiger Klischees, die über animistische und polytheistische Kulturen verbreitet werden, sowohl von denjenigen, die in diesen Kulturen eine Art Vorbild sehen als auch von denjenigen, die sie als infantile oder irrationale Vorstufen der modernen Zivilisation betrachten. Dazu gehört die Attestierung einer angeblichen „Natürlichkeit“ und „Naturverbundenheit“, ebenso wie ein besonderes Denken oder Fühlen („mythisches Weltbild“, „Spiritualität“, „Ganzheitlichkeit“) etc. Diese Klischees werden von Anhängerinnen heidnischer Traditionen immer wieder zum Beleg eines besonderen Wissens heidnischer Kulturen herangezogen, dessen es uns in der durch das Christentum geprägten westlichen Moderne mangele. Der Workshop befasste sich mit einigen dieser Klischees und schlug alternative Wege eines Rekurses auf diese Kulturen vor.)

Vortragstätigkeit im Rahmen des Rabenclan e.V.
Von 2001 bis heute habe ich auf den Treffen und Veranstaltungen des Rabenclan e.V. eine Vielzahl an Workshops und Gesprächsrunden zu naturreligiösen und (neu-)heidnischen Themen angeboten. Die obige Erwähnung einiger dieser Angebote ist exemplarisch.



Durchgeführte Projekte (u.a.)

Den Großteil meiner Aktivitäten führe ich hier nicht auf.

Rabenclan - Verein zur Weiterentwicklung heidnsicher Traditionen e.V. (2002 bis 2012)
- Seit 2002 bin ich Mitglied im Rabenclan e.V. und habe seit dieser Zeit eine Vielzahl von Veranstaltungen im neopaganen Umfeld konzipiert, organisiert, durchgeführt oder geleitet. -
(Ich halte den Rabenclan bis heute für eine führende Organsiation in diesem Bereich.)


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